Bleifigurenorakel
Seit langer Zeit ist das Bleigießen ein beliebter Wahrsagebrauch. Es wurde bereits im antiken Rom praktiziert. Damals dürfte man nach dem gleichen Prinzip vorgegangen sein wie heutzutage.
Eigenheiten des Bleifigurenorakels
Das “Blei” wird mithilfe eines Feuers, zum Beispiel mit dem einer Kerze, zum Schmelzen gebraucht. Im Anschluss taucht man das heiße und dickflüssige Metall schnell ins Wasser, wodurch es sofort abkühlt und eine feste Form annimmt. Die kann dann divinatorisch gedeutet werden, woraus sich eine Zukunftsvorhersage ergibt.
Vom Bleigießen angeregt, werden auch in diesem Orakel Formen aus Metall gedeutet. Doch im Gegensatz zum klassischen Vorgehen wird nicht das interpretiert, was man in dem entstandenen Gebilde sieht. Die möglichen Ergebnisse sind vielmehr vorgegeben und werden vom Schicksal ausgewählt, also praktisch durch ein Losverfahren ermittelt.
Der Nachteil ist, dass der subjektive Faktor keine Rolle mehr spielt. Man hat nicht mehr die Wahl, ob die frisch entstandene Metallform eine Schnur, eine Schlange oder zum Beispiel einen Lindwurm darstellen soll. So fließt das, was der Betrachter in der Figur sieht, nicht mehr in die Wahrsagung mit ein.
Wer aber schon mal auf einer Silvesterparty Blei gegossen hat, um eine Zukunftsdeutung zu erhalten, dürfte die Grenzen eines subjektiven Vorgehens kennen. Nicht immer decken die vorliegenden Interpretationen das ab, was man selbst in der Figur zu erkennen glaubt.
Im Gegensatz zum echten Bleigießen können solche Unsicherheiten bei der Befragung des Bleifigurenorakels gar nicht auftreten. Die Figuren haben eine klar definierte Form mit einer festen Deutung. Wenn einem das Schicksal etwas mitteilen möchte, dann gibt es vorgefertigte Wege, dies zu tun. Als Nutzer erscheint einem entweder die eine oder eine andere Bleifigur – und nicht etwa eine Mischung aus dies oder jenem, das auch noch an etwas ganz anderes erinnert.
Alternative Verwendung des Orakels
Wer seine persönlichen Sichtweisen in dem Bleifigurenorakel nicht ausreichend zur Geltung kommen sieht, kann es auch etwas anders verwenden. So könnte man eine andere Interpretation der einzelnen Figuren wählen. Etwas, das einem gerade durch den Kopf schießt und das man im Augenblick der Nutzung naheliegender findet. Dann gilt eben jene Deutung, die aus eigener Sicht zutreffender wirkt, als die vom Orakel vorgeschlagene. Diese entspricht zwar einer divinatorischen Logik und Tradition. Doch lässt sich die Wahrsagerei stets auch als etwas Flexibles betrachten, das von der Lebenssituation beeinflusst wird und eben auch von aufkommenden Gedanken, Gefühlen oder Bildern. Schließlich nehmen diese beim Bleigießen eine ganz besondere Bedeutung ein. Da kann man ihnen sicherlich auch bei der Verwendung des davon beeinflussten Bleifigurenorakels etwas Entfaltungsraum geben.
