Das Orakel von Delphi
Wer kennt nicht die berühmte altgriechische Stadt Delphi und ihr Orakel. Hier wird umrissen, wie dieses einst funktionierte, welche Bedeutung es hatte und was man davon aus esoterischer Sicht lernen kann.
Die Entstehung des Orakels
Wie das hellsichtige Orakel von Delphi entstand, darüber gibt die altgriechische Sagenwelt Auskunft.
Vor einer langen Zeit lebte die geflügelte Schlange Python an dem Ort, an dem später das Orakel entstehen sollte. Dieses Wesen verübte einst einen Mordanschlag auf die Mutter Apollons, einem Sohn des Zeus. Die Motive dafür waren Intrige und Neid, etwas das unter Göttern wie Menschen anscheinend weit verbreitet ist.
Der misslungene Anschlag fand vor Apollons Geburt statt. Als Apollon älter wurde, rächte er sich bei der gefiederten Schlange für den Versuch, seine Mutter zu ermorden. Durch das vergossene Blut der Python erlangte der Ort Delphi seine hellseherischen Kräfte.
Das altgriechische Orakel
In regelmäßigen Abständen wurde im alten Griechenland das Orakel befragt. Pythia, die hellsichtige Priesterin des Orakels, sprach während des Rituals ihre Weissagung.
Teil des Rituals war neben einer Reinigungsprozedur das Einatmen von Dämpfen aus der Erde. Vermutlich fiel die Priesterin durch diese Dämpfe in eine Art Trance, die Grundlage ihrer Orakelsprüche war.
Orakel – pro und kontra
Pro: Ödipus
Dem leiblichen Vater von Ödipus, dem König von Theben, wurde vom Orakel von Delphi etwas höchst Unangenehmes prophezeit. Er sollte eines Tages von seinem Sohn Ödipus ermordet werden. Zudem sollte Ödipus nach dieser Tat seine Mutter als Gemahlin nehmen. Daraufhin wurde Ödipus als Neugeborener ausgesetzt.
Doch genau diese Vorsichtsmaßnahme löste jene Kette von Ereignissen aus, die dazu führte, dass das Orakel recht behielt. Wäre Ödipus damals bei seinen leiblichen Eltern geblieben, hätte er vermutlich niemals seinen Vater erschlagen und mit seiner Mutter Kinder in die Welt gesetzt.
Der Vater von Ödipus hätte nach dem Orakelspruch vielleicht folgende alte Weisheit berücksichtigen sollen: “Keep your friends close, keep your enemies closer.”
Kontra: Alexander der Große
Bevor Alexander der Große seinen Feldzug nach Persien antrat, wollte er das Orakel von Delphi befragen. Da ein Orakelspruch nur zu bestimmten Zeiten vorgesehen war, wollte die Pythia keine Auskunft geben. Als Alexander der Große unwirsch wurde, drückte die Priesterin Unverständnis über dessen Unsicherheit aus. Schließlich wäre er doch sowieso schon unbesiegbar. Das reichte Alexander als Weissagung.
Man könnte sagen, dass der “Orakelspruch”, den Alexander erhielt, die Kapitulation des antiken Okkultismus vor einer neuen Zeit war, in der nicht die Einschätzungen von Priestern und Göttern als ausschlaggebend gesehen wurden, sondern das rationale Werturteil.
Und dennoch wollte Alexander der Große die weltliche Einschätzung seiner Unbesiegbarkeit auch von dem Orakel bestätigt wissen.
Das Göttliche und das Profane
Der reine Glaube an das Göttliche und Außerweltliche gehört längst der Vergangenheit an. Doch auch der einseitige Blick auf Zahlen und rationale Fakten scheint nicht mehr ganz zeitgemäß zu sein. Die Welt entwickelt sich weiter. Immer mehr Menschen wird klar, dass sich nicht alles mit einer mathematischen Formel erklären lässt.
Vielleicht muss die Menscheit lernen, all die Entwicklungsphasen der Vergangenheit und der Gegenwart zu einem gesamtheitlichen Weltbild zu integrieren. Wenn wir unsere Vergangenheit, und dazu zählt auch das Orakel und die Wahrsagerei, verleugnen, gelingt uns vielleicht der Sprung in die Zukunft nicht.







